Gefährliche Sucht: Alkohol und Tabakrauch sind krebserregend

Rauchen ist die häufigste Ursache für Krebs. Doch auch wer regelmäßig zur Flasche greift, erhöht sein Risiko, zu erkranken. Die gute Nachricht: Mit einem gesunden Lebensstil kann man Krebserkrankungen vorbeugen.

Das Feierabendbier nach der Arbeit und die Zigarette zwischendurch: Alkohol und Tabak gehören für viele zum Alltag dazu. Doch der Konsum ist gesundheitsschädlich – und das schon bei geringen Mengen. Bereits bei einer Zigarette pro Tag steigt die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 48 Prozent. Und was den Alkohol betrifft, sollten Frauen beispielsweise maximal ein 250ml-Glas Bier pro Tag trinken. Bei Männern darf es ein kleines bisschen mehr sein – nämlich ganze zwei Gläser.

Denn wer mehr raucht und trinkt, riskiert Schäden an Organen wie Leber, Bauchspeicheldrüse, Magen und Herz. Zudem besteht ein deutlich höheres Risiko, an Krebs zu erkranken. Vor allem, wenn der gelegentliche Griff zu Flasche und Tabakwaren eine Sucht wird. Hiervon sind mehr Menschen betroffen, als man denkt: Zuletzt waren in Deutschland allein 100.000 Männer und 36.000 Frauen alkoholabhängig. Und laut Bundesgesundheitsministerium raucht immer noch fast jeder vierte Person in Deutschland.

Suchtprävention früh beginnen

Oft nimmt eine Suchterkrankung ihren Anfang im jugendlichen Alter. Aus diesem Grund ist es notwendig, schon früh mit Präventionsmaßnahmen zu beginnen. Daran sind in Deutschland eine Vielzahl von Akteuren beteiligt: Die Bandbreite reicht von Ärzten über Apotheker, Psychologen, Familienberatung, der Selbsthilfe über Krankenkassen bis hin zu engagierten Ehrenamtlern in Sportvereinen, Bildungseinrichtungen und der Wirtschaft.

Tabakrauch löst mehrere Krebsarten aus

120.000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen des Rauchens. Außerdem ist Tabakrauch der wichtigste Risikofaktor für Krebs: Rund ein Drittel aller Krebserkrankungen sind mit großer Wahrscheinlichkeit auf das Einatmen des Tabakqualms zurückzuführen. Insbesondere Tumore in Lunge, Mundhöhle, Kehlkopf, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Nieren, Harnblase, Gebärmutter, Brust, Knochenmark und Dickdarm werden dadurch wahrscheinlicher.

Häufige Krebserkrankungen

Lungenkrebs ist die häufigste Krebstodesursache bei Männern, bei Frauen die zweithäufigste. Neun von zehn Lungenkrebspatienten sind Raucher. Da es keine Früherkennungsuntersuchung gibt, ist es besonders wichtig, auf Alarmsignale des Körpers zu achten. Dazu gehören chronischer Husten oder Atemnot.

In Deutschland erkranken jedes Jahr fast 70.000 Frauen an Brustkrebs. Die Krebsart ist damit die häufigste bei Frauen. Doch auch Männer sind betroffen – jedes Jahr rund 750. Neben einer familiären Veranlagung steigert ein ungesunder Lebensstil das Risiko. Auch hier gibt es Präventionsmöglichkeiten: Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen Früherkennungsuntersuchungen ab dem 30. Lebensjahr.

Fast 60.000 Frauen und Männer erhalten in Deutschland jedes Jahr die Diagnose Darmkrebs. Besonders oft ist der Dickdarm von Tumoren befallen. Rauchen und Alkohol erhöhen nachweislich das Risiko, zu erkranken. Auch hier ist Vorsorge günstig, denn die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Früherkennungsuntersuchungen für Frauen und Männer ab 50 Jahren.

Die Bauchspeicheldrüse produziert Insulin, das für den Stoffwechsel wichtig ist. Auch sie kann von Krebs betroffen sein: Jedes Jahr diagnostizieren Ärzte in Deutschland bei etwa 19.000 Menschen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Oft bleibt die Erkrankung lange unerkannt, denn es gibt keine Vorsorgeuntersuchung. Zudem treten Beschwerden in vielen Fällen erst in späten Stadien auf.

Der Kehlkopf befindet sich am Übergang des Rachens in die Luft- und Speiseröhre und ermöglicht es dem Menschen, zu sprechen, zu atmen und Nahrung zu verdauen. Jedes Jahr treten bei 3.600 Männern und 500 Frauen in Deutschland hier Tumore auf. Hauptursache dafür sind das Rauchen und der Alkoholkonsum. Betroffene leiden unter anderem unter Heiserkeit, Schluckbeschwerden und Atemproblemen.

In Deutschland rauchen etwa 24 Prozent der Erwachsenen. Zudem greifen rund sieben Prozent der 12- bis 18-Jährigen mehr oder minder regelmäßig zum Glimmstängel. Nicht ohne Folgen: Bei Lungenkrebs ist zu 90 Prozent aller Fälle Tabakrauch die Ursache. Auch von Kehlkopfkrebs sind überwiegend Raucher betroffen. Die Zahl der Jugendlichen, die selbst zur Zigarette greifen, ist indes in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen: Aus dem Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung geht hervor, dass zuletzt nur noch 3,7 Prozent der unter 17-Jährigen rauchten. 2003 waren es noch 14,2 Prozent.

Auch Passivrauchen ist schädlich

Rauchen schadet aber nicht nur denen, die es aktiv betreiben. Passivrauchen ist ebenfalls gefährlich. Mindestens 400 Lungenkrebstodesfälle bei Erwachsenen sind in Deutschland pro Jahr auf „Mitrauchen“ zurückzuführen. Wer großem Mengen Passivrauch ausgesetzt ist, verdoppelt sein Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Zudem werden dadurch Kehlkopfkrebs und Tumore im Rachenbereich begünstigt. Besonders gefährdet sind Kinder rauchender Eltern. Sie leiden – neben dem erhöhten Krebsrisiko – zudem vermehrt unter Mittelohrentzündungen, Bronchitis und Lungenentzündungen.

Rauchen verursacht Schäden am Erbgut der Zellen

Doch was macht Rauchen so gefährlich? Tabakrauch ist ein komplexes Gemisch aus den Destillations- und Verbrennungsprodukten des Tabaks. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) gibt an, dass bisher über 4.000 verschiedene chemische Bestandteile identifiziert werden konnten. Einige sind sogar radioaktiv und mindestens 50 davon als krebserregend bekannt. Diese Stoffe bewirken Schäden im Erbgut der Zellen. Das natürliche Reparatursystem des Körpers kann diese normalerweise beheben. Bei Menschen, die regelmäßig rauchen, funktioniert das nur noch eingeschränkt. Die Schädigung ist bei ihnen meist dauerhaft.

Selbst in Organen, die nicht unmittelbar mit Tabakrauch in Berührung kommen, kann Krebs entstehen. Denn die krebserregenden Substanzen gehen nach dem Einatmen ins Blut über und verteilen sich so im ganzen Organismus.

Keinen Deut besser: E-Zigaretten und Wasserpfeifen

In den vergangenen Jahren greifen Raucher vermehrt zur elektrischen Alternative zur Zigarette: den E-Zigaretten, auch Vaporizer genannt. Diese beinhalten anstelle von Tabak Flüssigkeiten, sogenannte Liquids, die verdampft werden. Darin sind oft Nikotin und andere schädliche Zusatzstoffe enthalten. Werden diese Schadstoffe beim Verdampfen freigesetzt und eingeatmet, können sie in den Zellen zu Veränderungen der DNA führen. Was viele nicht wissen: Einige Liquids haben sogar einen höheren Nikotin-Anteil als Zigarettentabak.

Die Wasserpfeife ist besonders bei Jugendlichen beliebt. In der sogenannten „Shisha“ wird der Tabak bei niedrigen Temperaturen verschwelt. Dabei entstehen krebserregende Gifte wie Acetylaldehyd, Acrolein und Benzol, die beim Rauchen in hoher Konzentration direkt in die Lunge gelangen. Shisha-Tabak enthält außerdem Feuchthaltemitteln und Geschmacksstoffe. Werden sie verschwelt, bilden sich weitere Giftstoffe, wie zum Beispiel Teer.

E-Zigaretten und Wasserpfeife zu rauchen, ist also keineswegs weniger schädlich als es „echte“ Zigaretten sind. Weil Liquids und Shisha-Tabak in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich sind, gelten sie als „Einstiegsdroge“ für Jugendliche. Denn die Aromen überdecken den strengen Tabakgeschmack. Umso wichtiger ist es, bei der Prävention vermehrt auf die Risiken hinzuweisen.

Gefährliches Genussmittel: Alkohol erhöht das Krebsrisiko

Ein Glas Sekt zum Anstoßen, ein paar Cocktails in entspannter Runde am Wochenende: Alkohol begegnet uns im Alltag nahezu ständig. Doch wer regelmäßig Alkohol trinkt, schadet seiner Gesundheit – und das nachhaltig. Schon geringe Mengen können unter anderem zu Übergewicht sowie Schäden an Leber, Bauchspeicheldrüse und anderen Organen sowie zu erhöhtem Blutdruck führen.

Was viele jedoch nicht wissen: Der Konsum von Bier, Wein und Spirituosen steigert auch das Risiko, an Krebs zu erkranken. In Deutschland ist eine von elf Krebserkrankungen bei Männern und eine von 33 bei Frauen auf alkoholische Getränke zurückzuführen. Besonders häufig sind Tumore im Mundraum, im Rachen, am Kehlkopf, in der Speiseröhre und in der Leber. Aber auch die Entstehung von Magen-, Darm- und Brustkrebs wird durch Alkohol begünstigt.

Giftstoffe wirken auf Zellen und Hormonsystem

Den genauen Zusammenhang zwischen dem Alkoholkonsum und der Entstehung von Krebs müssen Experten erst noch erforschen. Denn Ethanol – so die chemische Bezeichnung für Alkohol – selbst ist nicht krebserregend. Wissenschaftler vermuten allerdings, dass die Stoffe eine Rolle spielen, die der Körper beim Abbau des Ethanols bildet. Einer davon ist Acetylaldehyd. Das Molekül wird umgangssprachlich auch „Krebsgift“ genannt. Es kann sich nämlich mit der DNA verbinden, in der die Erbinformationen unseres Körpers gespeichert sind, und diese verändern. Diese „Fehler“ im Bauplan der Zellen können dann in der Folge zu Krebs führen.

Der häufige Griff zur Flasche wirkt sich darüber hinaus auch auf das Hormonsystem aus. Bei Frauen steigt etwa das Brustkrebsrisiko.

Einleitungstext

Einleitungstext Infografik

Mundhöhlen-/Rachenkrebs

fast doppeltes Risiko
etwa 5-faches Risiko

Kehlkopfkrebs

etwa 1,5-faches Risiko

fast 3-faches Risiko

Speiseröhrenkrebs

etwa doppeltes Risiko

fast 5-faches Risiko

8-faches Risiko

Brustkrebs

1,2-faches Risiko

1,5-faches Risiko

Leberkrebs

erhöhtes Risiko

1,6-faches Risiko

fast 4-faches Risiko

Dickdarm-/Enddarmkrebs

erhöhtes Risiko

1,5-faches Risiko

1,2-faches Risiko

Schon kleine Mengen Alkohol schaden

Aber ab welcher Menge wird der Genuss zur Gefahr? Tatsächlich ist Alkohol bereits in kleinsten Mengen gesundheitsschädlich. Fest steht aber auch: Wer regelmäßig trinkt, dessen Krankheits- und damit Krebsrisiko ist höher als bei Gelegenheitstrinkern. Das bedeutet jedoch nicht, dass es weniger schädlich ist, selten und dafür große Mengen zu konsumieren – abgesehen davon, dass ein Vollrausch Auswirkungen auf den ganzen Körper hat.

Grundsätzlich gilt also: Am besten ist es, komplett auf Alkohol zu verzichten. Wichtig ist in jedem Fall aber ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Droge. Diese Empfehlungen helfen dabei:

  • Gesunde Männer sollten pro Tag nicht mehr als 20 Gramm reinen Alkohol zu sich nehmen – das entspricht einem halben Liter Bier oder 250 Milliliter Wein.
  • Frauen sollten weniger trinken: Die Obergrenze liegt für sie bei zehn Gramm pro Tag, also 250 Milliliter Bier und 125 Milliliter Wein.
  • Alkohol am besten zu den Mahlzeiten trinken.
  • An mindestens zwei Tagen in der Woche sollte komplett auf Alkohol verzichtet werden.
  • Wer sich nicht gut fühlt, an einer chronischen Erkrankung leidet oder Medikamente einnimmt, sollte ganz auf Alkohol verzichten.

Alkohol und Rauchen – eine tückische Kombination

Für viele gehört die Zigarette zum alkoholischen Getränk dazu. So kommt es immer wieder vor, dass Menschen, die im Alltag nicht oder nur wenig rauchen, in Verbindung mit Alkohol plötzlich häufiger zur „Kippe“ greifen.

Das ist jedoch eine gefährliche Mischung. Denn die Risiken des Alkohol- und Tabakkonsums addieren sich dadurch nicht einfach, sondern sie multiplizieren sich gegenseitig. Die krebserregenden Stoffe aus Tabakrauch und Alkoholen machen zum Beispiel die Mundschleimhaut durchlässiger, sodass diese mehr Schadstoffe aufnimmt. Wer raucht und trinkt erhöht damit seine Wahrscheinlichkeit deutlich, an Krebs zu erkranken.

Mit dem Rauchen aufzuhören lohnt sich immer

Die beste Methode, die gesundheitlichen Risiken des Rauchens zu vermeiden: Gar nicht erst damit anfangen! Und wer bereits raucht, sollte damit wieder aufhören. Denn auch nach jahrelangem Konsum kann der Körper sich von den Folgen der Sucht erholen: Schon nach zwölf Stunden ohne Tabakrauch steigt der Sauerstoffpegel des Blutes und damit die Leistungsfähigkeit des Körpers. Innerhalb von einigen rauchfreien Wochen wird der Kreislauf stabiler und die Lungenfunktion verbessert sich. Mit jedem weiteren Tag sinkt außerdem das Risiko, an Mundhöhlen-, Rachen-, Speiseröhren- oder Lungenkrebs zu erkranken.

Je früher der Ausstieg erfolgt, desto deutlicher sind die positiven Auswirkungen auf den Körper. Wer im Alter von 25 bis 34 Jahren mit dem Rauchen aufhört, lebt durchschnittlich zehn Jahre länger als jemand, der bis zu seinem Lebensende weiterraucht. Doch auch im höheren Alter hat der Verzicht noch spürbare Folgen. Ein Rauchstopp mit 55 bis 64 Jahren verlängert das Leben im Schnitt um vier Jahre.

Langjährige Raucher sind meist süchtig – und zwar nach Nikotin, das im Tabak enthaltenen ist. Fällt es schwer, nicht mehr zur Zigarette zu greifen, kann es helfen, den Konsum Schritt für Schritt zu reduzieren und erst ganz zum Schluss komplett mit dem Rauchen aufzuhören.

Legen Sie genau fest, wann Sie rauchen. Achten Sie darauf, sich höchstens alle 90 Minuten und nur im Freien eine Zigarette anzuzünden. Wenn Sie dazwischen Lust haben, trinken Sie stattdessen ein Glas Wasser.

Lassen Sie die Zigarettenschachtel zuhause liegen, wenn Sie das Haus verlassen, und leeren Sie den Aschenbecher nicht aus.

Überlegen Sie sich vorher, was eine gute Alternative zur Zigarette sein könnte. Wer etwa nach dem Essen immer „eine geraucht“ hat, kann sich zum Beispiel angewöhnen, schnell aufzustehen und sich die Zähne zu putzen. Hilfreich ist außerdem, alle Rauchutensilien am Abend vor dem ersten rauchfreien Tag zu entsorgen.

Stecken Sie sich Zwischenziele und gönnen Sie sich selbst etwas, wenn Sie diese erreichen.

Wenn die anfänglichen Entzugssymptome zu stark werden, können Nikotinpflaster oder -Lutschtabletten Abhilfe schaffen. Aber Achtung: Beides ist keine Dauerlösung, denn Nikotin bleibt, egal in welcher Form, eine schädliche Substanz.

Verschiedene Stellen bieten Rauchern, die aufhören möchten, darüber hinaus Hilfen an: Die gesetzlichen Krankenkassen, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kirchliche Institutionen, Familien- und Suchtberatungsstellen sind Ansprechpartner für Rauchentwöhnungskurse und Beratungen. Informieren Sie sich über Angebote in Ihrer Nähe.

Wählen Sie die für Sie relevante Lebenswelt

Quellen:
Deutsches Krebsforschungszentrum (dkfz); Hart am Limit; Leben ohne Qualm; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; Alkoholatlas Deutschland; Bundesministerium für Gesundheit

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der Erwachsenen in Deutschland haben einen riskanten Alkoholkonsum.

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