Viren und Bakterien als Krebsrisiko

Infektionen sind eine mögliche Ursache von Krebs. Auch in Deutschland gibt es jedes Jahr zehntausende Betroffene. Doch es gibt Möglichkeiten, sich wirksam dagegen zu schützen, zum Beispiel durch Impfungen.

Bestimmte Viren und Bakterien können Krebs auslösen oder das Risiko zu erkranken deutlich erhöhen. Besonders tückisch: Es handelt sich dabei um weit verbreitete Erreger, die viele Menschen in sich tragen – oft sogar, ohne etwas davon zu wissen.

Humanes Papillomvirus (HPV)

Ein Virus, das Krebs verursacht, ist das Humane Papillomvirus, kurz HPV. Genauer gesagt handelt es sich dabei um eine ganze, rund 200 verschiedene Typen umfassende Gruppe von Viren. Nicht alle sind gleich gefährlich. Manche verursachen zum Beispiel Hautwarzen. Andere können hingegen Gebärmutterhalskrebs, Tumore der Scheide und der Schamlippen sowie bei Männern Peniskrebs verursachen. Auch Geschwulste der Mundhöhle und des Darmausgangs gehen oft auf eine Infektion mit den Viren zurück.

Die Übertragung erfolgt, je nach Virustyp, entweder über die Haut oder Schleimhäute. Besonders gefährlich sind die krebserregenden HPV-Typen 16 und 18. Sie werden über Schleimhautkontakt weitergegeben und können schon durch kleinste Verletzungen in den Körper gelangen. Sie dringen in tiefere Zellschichten ein und infizieren die Zellen.

In manchen Fällen heilen solche Infektionen nach ein oder zwei Jahren wieder ab. Wenn sie länger andauern, kann das zu bleibenden Zellveränderungen führen. Daraus entwickeln sich oft zunächst Krebsvorstufen und später Krebs. Experten gehen davon aus, dass die Viren über 70 Prozent der bösartigen Tumore des Gebärmutterhalses auslösen. Davon betroffen sind vor allem Frauen im Alter zwischen 35 und 59 Jahren.

Riskante HPV-Typen werden in erster Linie beim Geschlechtsverkehr übertragen, auch beim Anal- und Oralsex. Ansteckungsgefahr besteht insbesondere dann, wenn der Partner sich kurz davor selbst infiziert hat. Dass Kondome vollständig vor der Ansteckung schützen stimmt nicht, denn sie decken nicht alle Schleimhäute des Schambereichs ab. Und auch infizierte Mütter können die Viren bei der Geburt an ihr Kind weitergeben. Papillomviren sind übrigens verbreiteter, als viele denken und sind bei fast allen sexuell aktiven Personen im Genitalbereich nachweisbar. Betroffene merken von der Infektion aber nichts. Und nicht immer ist sie krebsauslösend. Doch sie stellt ein ständiges, unterschwelliges Risiko dar.

Nordrhein-Westfalen ist Vorreiter bei der Vorsorge

Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Deutschland ist die Zahl der Fälle seit den 1970er-Jahren stark zurückgegangen, auch die Sterblichkeit ist gesunken. Ein Grund dafür ist das 1971 eingeführte Früherkennungsprogramm. Nordrhein-Westfalen war übrigens das erste Bundesland, in dem die Untersuchung eine Kassenleistung und somit für Frauen kostenlos wurde.

Trotz aller Erfolge: Pro Jahr erkranken auch hierzulande weiterhin zahlreiche Frauen an dieser Krebsform. Allein in Nordrhein-Westfalen wurde 2016 in über 3.000 Fällen eine gefährliche Krebsvorstufe festgestellt. Im selben Jahr bekamen fast 900 Patientinnen die Diagnose Gebärmutterhalskrebs, über 300 starben daran. Deutschlandweit liegt die Zahl der Neuerkrankungen jedes Jahr bei rund 4.400. An dem gefährlichen Krebs, der auch Tochtergeschwulste, sogenannte Metastasen, bilden kann, sterben jährlich etwa 16.000 Betroffene. Ein wirksames Medikament wurde bisher nicht gefunden.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Nur etwa drei Prozent der Frauen, die mit Papillomviren infiziert sind, erkranken tatsächlich an Gebärmutterhalskrebs. Und Gynäkologinnen und Gynäkologen können Vorstufen davon bei Früherkennungsuntersuchungen entdecken und behandeln. Um einer Krebserkrankung vorzubeugen, sollten Frauen ab 20 Jahren daher deshalb jährlich das Vorsorgeangebot des gesetzlichen Früherkennungsprogramms wahrnehmen. Die behandelnden Ärzte nehmen dazu einen Abstrich von Gebärmutterhals und -mund. Ab einem Alter von 35 Jahren wird der Abstrich dann alle drei Jahre zusätzlich mit einem HPV-Test kombiniert. So können Zellveränderungen und Krebsvorstufen erkannt und rechtzeitig behandelt werden.

Eine Impfung schützt vor HP-Viren

Die effektivste Art, einer Infektion mit HP-Viren vorzubeugen, ist hingegen die Impfung. Zurzeit gibt es zwei Impfstoffe, die Schutz bieten: Cervarix®, der gegen die krebserregenden Viren der Typen 16 und 18. wirkt. Und Gardasil9®, der vor neun verschiedenen Papillomviren schützt, die als mögliche Krebsauslöser gelten oder Genitalwarzen verursachen können. Beide Wirkstoffe sind gegen HPV empfohlen. Sie können Gebärmutterhalskrebs, aber auch Scheiden-, Penis- oder Anuskarzinome verhindern. Welches Präparat geeignet ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der Arzt individuell nach einem Vorgespräch.

Da die Viren bereits beim ersten Geschlechtsverkehr übertragen werden können, sollte bereits vorher ein Impfschutz aufgebaut werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät deshalb bei Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren zur Impfung. Alternativ kann diese bei Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren nachgeholt werden. Sie schützt zu 94 Prozent vor Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs und zu 76 Prozent vor Krebs im Analbereich.

Obwohl es die HPV-Impfung erst seit etwas mehr als zwölf Jahren gibt, haben Studien ihre Effektivität schon bewiesen: In Ländern mit einer hohen Impfbeteiligung ging die Zahl der Erkrankten bei Genitalwarzen und Krebsvorstufen schon innerhalb weniger Jahren zurück. Außerdem gab es eine geringere Zahl an Krebsfällen. Da Gebärmutterhalskrebs sich langsam entwickelt, ist es wahrscheinlich, dass die Wirksamkeit in zehn bis 15 Jahren eindeutig bewiesen werden kann.

Nebenwirkungen

Die Impfung wurde 2007 zugelassen durch entsprechende Studien begleitet. Schwere Nebenwirkungen, welche die Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen, konnten bisher nicht festgestellt werden. Nähere Informationen dazu sind beim Paul-Ehrlich-Institut, das in Deutschland für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig ist, abrufbar.

Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung

Kinder- und Hausärzte sowie Gynäkologen impfen gegen HPV. Bei Mädchen und Jungen zwischen neun und 14 Jahren sind zwei Impfdosen im Abstand von fünf Monaten zur Grundimmunisierung notwendig. Ist der Zeitraum dazwischen kürzer, können drei erforderlich sein. Wenn Jugendliche erst im Alter von 15 bis 17 Jahren geimpft werden, sind ebenfalls drei Dosen nötig. Auffrischungsimpfungen werden aktuell nicht empfohlen. Wie lange der Schutz anhält, ist noch nicht abschließend erforscht. Studien haben aber gezeigt, dass geimpfte Frauen nach zehn Jahren noch geschützt sind. Schwere Nebenwirkungen konnten hingegen nicht festgestellt werden.

Gesetzliche und private Krankenkassen übernehmen die Kosten für Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 17 Jahren komplett. Wer sich zu einem späteren Zeitpunkt impfen lassen möchte, sollte sich von seiner Ärztin oder seinem Arzt beraten lassen und sich bei seiner Krankenversicherung wegen der Übernahme der Kosten von rund 600 Euro erkundigen.

Warum auch Jungen geimpft werden sollten

Dass nur Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken können, ist klar. Deshalb sollten Mädchen sich gegen HPV impfen lassen. Doch auch für Jungen ist die Impfung empfohlen, weil dadurch

  • das Risiko von Penis- und Analkrebs sowie von Tumoren im Mund- und Rachenraum gesenkt wird
  • Männer die Viren dann nicht auf ihre Sexualpartner und Sexualpartnerinnen übertragen können

Eine Impfempfehlung für über 18-Jährige gibt es nicht. In diesem Alter hatten die meisten Menschen bereits Sexualkontakte. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass sie schon mit HPV infiziert sind. Eine Impfung ist dann nicht mehr sinnvoll, weil sie nach derzeitigem Kenntnisstand nicht gegen bestehende Infektionen oder Krebsvorstufen wirkt. Eine Ausnahme gibt es aber: Menschen mit einem eingeschränkten Immunsystem können besonders anfällig für Krankheiten sein, die durch Papillomviren ausgelöst werden. Dazu gehören zum Beispiel Frauen und Männer, die an Autoimmunerkrankungen oder HIV (Aids) leiden. Sie sollten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt über die Impfung sprechen.

Warum sich viele impfen lassen sollten

Je mehr Menschen sich gegen HPV impfen lassen, desto niedriger wird die Ansteckungsgefahr. Denn so kann sich das Virus schlechter in der Bevölkerung ausbreiten. Damit steigt auch der Schutz für diejenigen, die nicht geimpft sind. Diesen Effekt nennt man „Herdenimmunität“. In Deutschland sind allerdings nur knapp 45 Prozent der Mädchen geimpft. Seit 2018 empfiehlt die STIKO die Impfung auch für Jungen. Die Quote der 15-Jährigen liegt seitdem bei 31 Prozent. Das reicht für einen großflächigen Schutz noch nicht aus – eine Herdenimmunität wird erst ab rund 70 Prozent erreicht.

Schon gewusst?

Schon in den 1970er-Jahren beschäftigte sich der deutsche Virologe Prof. Dr. Harald zur Hausen, später Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, mit der Rolle von Papillomviren bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. 1976 konnte er den Zusammenhang nachweisen. In den folgenden Jahrzehnten fanden er und sein Team heraus, dass Viren der Typen 16 und 18 die Ursache für die Krebserkrankungen sind. Seit 2006 sind die ersten Impfstoffe gegen HPV erhältlich. 2008 erhielt der gebürtige Gelsenkirchener zur Hausen den Nobelpreis für Medizin für seine Entdeckungen.

Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Virus

Eine weitere Virusgruppe, die an der Entstehung von Krebs beteiligt ist, sind Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren. Denn wer sich damit infiziert, hat ein höheres Risiko, an Leberkrebs zu erkranken. Doch die Viren sind nicht direkt für den Krebs verantwortlich, sondern lösen eine Entzündung der Leber aus. Gerade bei Babys und Kleinkindern oder bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem kann dieser Zustand dauerhaft anhalten, also chronisch werden. Mögliche Folgen sind eine Leberzirrhose, bei der das Gewebe des Organs zerstört wird, und Leberkrebs.

Hepatitis-B gehört zu häufigsten Infektionskrankheiten. Weltweit waren beziehungsweise sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund zwei Milliarden Menschen betroffen. In Deutschland gab es 2018 bundesweit 4.507 Fälle – Tendenz steigend, und das seit Jahren. Das Virus kann entweder beim Geschlechtsverkehr oder über das Blut übertragen werden. Bis Betroffene die ersten Symptome wie Abgeschlagenheit, Übelkeit oder Fieber bemerken, vergehen oft Monate. 65 Prozent merken sogar gar nichts. Bei etwa zehn Prozent wird die Infektion chronisch, bei Säuglingen liegt das Risiko sogar bei 90 Prozent.

Hepatitis-C-Viren sind nur über das Blut übertragbar. Weltweit sind schätzungsweise ungefähr 100 Millionen Menschen infiziert, in Deutschland sind es 0,3 bis 0,5 Prozent der Bevölkerung. Bei rund 83 Mio. Deutschen (Stand 2020) also ungefähr zwischen rund 250.000 und 415.000 Menschen. Bei über der Hälfte davon verläuft die Krankheit chronisch.

Hepatitis-B-Impfung schützt schon Säuglinge

Gegen Hepatitis-B kann man sich impfen lassen. Die STIKO empfiehlt die Impfung bereits im Säuglingsalter. Auch Mütter sollten sich direkt nach der Geburt impfen lassen, wenn nicht klar ist, ob sie bereits infiziert waren oder sind. Außerdem wird Menschen aus Risikogruppen zur Impfung geraten. Dazu gehören: HIV- und Dialysepatientinnen und -patienten, Personen die Kontakt zu an Hepatitis-B Erkrankten haben, medizinisches Personal und Ersthelferinnen und Ersthelfer sowie Frauen und Männer, die durch ihr Sexualverhalten ein erhöhtes Infektionsrisiko haben – zum Beispiel durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern. Die Impfung für unter 18-Jährige wird von allen gesetzliche Krankenkassen empfohlen und auch bezahlt. Bei Erwachsenen erfolgt die Kostenübernahme durch die Krankenkassen je Risiko.

Einen Impfstoff gegen Hepatitis-C-Viren gibt es bisher nicht.

Helicobacter-Pylori-Bakterien

Etwas Übelkeit oder leichte Magenschmerzen treten bei jedem Menschen immer mal wieder auf und sind in den meisten Fällen kein Grund zur Sorge. Wenn die Beschwerden jedoch länger anhalten, kann sich dahinter ein Bakterium verbergen: Helicobacter Pylori heißt der Erreger. Er nistet sich in der Magenschleimhaut ein und ruft dort nicht selten eine dauerhafte Entzündung hervor. Daraus entwickeln sich in zehn bis 20 Prozent der Fälle Geschwüre des Magens oder des Zwölffingerdarms. Selten ist Magenkrebs die Folge. Betroffen sind davon meist ältere Personen im Alter über 65 Jahre.

Noch ist nicht eindeutig geklärt, wie die Bakterien übertragen werden. Entweder über Speichel oder Stuhl. Kinder infizieren sich durch den engen Kontakt mit der Familie und anderen Kindern häufiger als Erwachsene. Wenn Magenbeschwerden durch eine Infektion mit Helicobacter Pylori auftreten, kann der Erreger mit Antibiotika bekämpft werden. Vorsorgemaßnahmen gibt es nicht. Wer dauerhafte Magenbeschwerden hat, sollte dies seinem Hausarzt mitteilen. Mit einer Magenspiegelung kann dann geklärt werden, ob eine Infektion mit Heliobacter vorliegt.

 

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Quellen:

Deutsche Krebsgesellschaft; Landeskrebsregister Nordrhein-Westfalen; Robert-Koch-Institut (RKI); Deutsches Krebsforschungszentrum (dkfz); Deutsches Ärzteblatt; Frauenärzte im Netz; Gelbe Liste; Fischbach, W. et al. (2016): S2k-Leitlinie Helicobacter Pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit. AWMF-Register Nr. 021/001 Klasse S2k


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